Der Bugatti aus dem Lago Maggiore

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Über 70 Jahre auf dem Grund des Sees haben dem Bugatti ganz schön zugesetzt (Quelle: Bonhams)

Ein seltener Bugatti Brescia Typ 22 aus dem Jahr 1925, der 73 Jahre lang auf dem Grund des Lago Maggiore lag, wurde bei einer Auktion von Bonhams am 23. Januar 2010 in Paris für 226.000 £ an einen Bieter aus den Niederlanden verkauft.

Es gab viele Spekulationen über die Geschichte dazu, inzwischen scheint aber folgende Version die Wahrscheinlichste zu sein:

Der Architekt Marco Schmucklerski aus Zürich war in den zwanziger Jahren Eigentümer des schönen Wagens und lebte von 1933 bis 1936 in Ascona. Er hatte das Auto von einem französischen Besitzer gekauft, fuhr jedoch weiterhin mit dem französischen Kennzeichen durch die Gegend und weigerte sich beharrlich, das Auto ordentlich in der Schweiz anzumelden bzw. Einfuhrzoll zu bezahlen. Als er Ascona 1936 wieder den Rücken kehrte, ließ er den schönen Roadster einfach in der Lagerhalle der Baufirma Barra zurück.

Der Firmeneigentümer sollte nun die inzwischen recht hohen Kosten an Einfuhrzoll an die Schweizer Zollbehörde entrichten und beschloss: das Auto muss verschwinden! So ließ er den Bugatti einfach von Bauarbeitern im See versenken. Vorher wurde noch eine Eisenkette angebracht, damit man ihn später wiederfand. Doch herausgeholt wurde er jahrzehntelang nicht und so rostete die Kette irgendwann durch und der Wagen sank auf den über 50 Meter tiefen Grund des Lago Maggiore.

Bergung des versunkenen Bugattis
Die Bergung stellte sich als ziemlich schwierig heraus… (Quelle: Bonhams)

Dort entdeckte das Wrack 1967 der Taucher Ugo Pillon vom Tauchclub CSSS (Centren Sport Scubacquei Salvataggio Ascona), jedoch ließ man es weiterhin – nun als Attraktion für Taucher -  im See. Dann nahm die Geschichte allerdings eine dramatische Wende: Im Februar 2008 wurde ein junger Student, Damiano Tamagni, der Mitglied des in Ascona ansässigen Tauchclubs war, bei einer brutalen Schlägerei durch Jugendliche so schwer verletzt, dass er wenig später starb. Um die danach gegründete Stiftung gegen jugendliche Gewalt finanziell zu unterstützen, organisierte der Tauchclub mit 30 freiwilligen Helfern nach über sieben Jahrzehnten die Bergung des Bugattis.

Jedoch stellte sich diese als schwieriger heraus als gedacht: Neben häufig schlechten Wetterbedingungen war auch das Arbeiten in einer Tiefe von 52 Metern eine große Herausforderung, auch weil durch den vielen Regen die Sicht hier unten sehr schlecht war. Ein schlimmer Unfall aber geschah durch einen schweren Sturm mit heftigem Wind und Wellengang, der das Boot, das als Arbeitsfläche für die Hebung auf dem See diente, sinken ließ, wo es nur wenige Meter neben dem Bugatti landete. Zum Glück wurde das Automobil nicht beschädigt. Besonders durch dieses Ereignis zog sich die Bergung immer weiter in die Länge und dauerte insgesamt neun Monate. Am 12. Juli 2009 konnte der Bugatti endlich aus dem See herausgezogen werden. Die Aktion erregte großes öffentliches Interesse: Über 2000 Menschen sahen sich die spektakuläre Bergung des Wracks vor Ort an und als das Auto endlich aus dem Wasser gezogen wurde, ertönte ein ohrenbetäubender Applaus.

Der versunkene Bugatti
…doch im Juli 2009 war es endlich soweit (Quelle: Bonhams)

Dank der Chassisnummer konnte von Experten eindeutig festgestellt werden, dass der Wagen am 11. April 1925 in Nancy, Frankreich, zum ersten Mal auf den Namen Georges Paiva zugelassen wurde. Nach einem weiteren französischen Besitzer hat ihn dann Marco Schmucklerski gekauft. Natürlich hat die lange Zeit unter Wasser dem ehemals schönen Stück sehr zugesetzt und ein Großteil der Karosserie ist nicht mehr vorhanden oder total verrostet. Nur die Teile, die im Schlamm versunken waren, sind in einem besseren Zustand. So existieren wohl nur noch ca. zwanzig Prozent des Fahrzeuges. Ein paar Teile aus Holz, Gummi, Messing und Aluminium sind noch relativ gut erhalten.

Der Bugatti wurde dann im Mullin Automotive Museum des amerikanischen Milliardärs und Oldtimer-Sammlers Peter Mullin in der Nähe von Los Angeles ausgestellt, der dort über 100 meist perfekt restaurierte Automobile der 20er und 30er Jahre präsentiert, vor allem Bugattis. Das Museum wurde im Stil eines Pariser Auto-Salons der 30er Jahre 2010 eröffnet. Da spielt es auch am Ende keine Rolle, dass eine vollständige Restaurierung hier kaum noch möglich gewesen wäre, denn das Wrack, wie es mit seiner Geschichte von der Natur über die Jahre geformt wurde, hat so seine ganz eigene, unverwechselbare Ausstrahlung.

Eines steht auf jeden Fall fest: Die Geschichte des versunkenen Bugattis vom Lago Maggiore ist außergewöhnlich, zuerst skurril und am Ende doch sehr dramatisch. Doch genau diese faszinierenden Geschichten sind es, die das Herz eines jeden Sammlers von alten Kostbarkeiten höher schlagen lassen.

Bugatti Brescia Typ 22
Quelle: Bonhams

 

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