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Auktionsarchiv: Los-Nr. 2387

Wagner, Cosima Brief 1886

Autographen
17.04.2019
Schätzpreis
1.200 €
ca. 1.348 $
Zuschlagspreis:
n. a.
Auktionsarchiv: Los-Nr. 2387

Wagner, Cosima Brief 1886

Autographen
17.04.2019
Schätzpreis
1.200 €
ca. 1.348 $
Zuschlagspreis:
n. a.
Beschreibung:

"Keinen Schwan!" - (Wagner, Cosima) Eigh. Brief m. U. "C. Wagner". 4 S. Gr. 4to. Bayreuth 11.XII.1886. Ebenfalls ausführlich an Joseph Flüggen doch diesmal über die Kostüme für eine "Lohengrin"- Aufführung in Paris, die der berühmte Dirigent Charles Lamoureux (1834-1899) veranstalten möchte. "... Herr Lamoureux hat einige Anfragen an mich bezüglich der Kostüme des Lohengrin gestellt; hierauf schlug ich ihm vor, mich mit der Bitte an Sie zu wenden, einige Skizzen zu entwerfen. In einem heute empfangenen Briefe geht er freundlich darauf ein, bittet aber zuvörderst um die Angabe Ihrer Bedingungen, da seine Unternehmung eine private, unsubventionirte, also recht bescheidene ist. Ich habe ihm geschrieben, daß ich durchaus überzeugt sei, dass Sie den Verhältnissen Rechnung tragen würden, dass ich aber der Ordnung wegen diese, welche noch bescheidener sind als die Bayreuther, Ihnen vorlegen würde. Da dieses hiermit geschehen, erlaube ich mir, Ihnen ... das auszusprechen, was bezüglich Lohengrin's mein Wünsch wäre. Vor allem möchte ich dass er sich durchaus vom Tannhäuser unterschiede. Die Frömmigkeit, die sich in ihm ausspricht, ist eine wesentlich Andere , u. erheischt meines Erachtens eine grosse Strenge u. Einfachheit ... Es ist der Gottesbegriff, die Gottesfurcht, die da herrscht u. den Stempel giebt; während im Tannhäuser die freie Neigung, der Erlöser, u. die durch unseren Glauben an ihn ausgebildete Legende waltet. - Sie verzeihen, dass ich so weit aushole, es geschieht diess aber um das Gefühl, welches die Musik eingegeben hat, auch durch die Tracht fühlbar werden zu lassen, u. jede archeologische Spielerei zu entfernen, wenn wir auch durchaus suchen müssen, das Xte, u. zwar das deutsche Xte Jahrhundert, was mir ungemein schwierig scheint, festzuhalten. Ich habe mir ungefähr Folgendes gedacht: Den König: ungefähr wie er in Frankfurt dargestellt ist, nur ohne Krone (I Akt). Für den II. Akt (dort müsste das zu speziell Kaiserliche vermieden werden) ungefähr wie Heinrich d. 2te XItes Jahrhundert. Lohengrin: In Silberrüstung durchaus frei von der Zeit, u. sich unterscheidend (Man kann annehmen, dass seine Erscheinung den späteren Rüstungen das Muster gegeben hat.) Keinen Schwan , weder auf Helm noch auf Schild, höchstens wäre eine Taube zulässig, aber diese auch lieber nicht. Den hellblauen Mantel nur für den Fall, dass die Gestalt des Darstellers sich nicht gut in der blossen Rüstung ausnähme. Im I. Akt weiss, wie das Bild Seite 98 im Buche von Köhler 'Trachten der Völker '. Auch sie darf man der Zeit entrücken, nur müsste das, was zu speziell dem XII. Jahrhundert angehört, entfernt werden. (Ich weiss nicht, ob das Kostüm vom Jahr 67 für den IIten Akt in München beibehalten worden ist. Dieses war sehr schön; für Lohengrin meine ich, wäre ein langes Gewand blau mit Gold, u. vielleicht ein sehr hellbraun golddurchwirkter Mantel das Beste?) Ortrud: Möchte ich womöglich einen heidnischen Charakter beibehalten wissen. Im I Akt etwa braun u. gelb (Wolle) mit Spangen u. Gurt symbolischen Charakters. Im IIten schwarzer oder hellbrauner Pelz, rother Rock mit Gold durchwoben, goldener Mantel mit Schlangen, ... heidnische Krone. Nun läge mir daran, dass die Sachsen, die Thüringer u. die Brabanter sich in Waffen u. Kleidung unterschieden. Ich habe mir die Sachsen am ähnlichsten dem Könige gedacht; [mit] langen Mänteln, länglichen Schilden, langen Messern u. Speere[n] ... Auch die Banner würde ich zu entwerfen bitten, was gewiss nicht leicht sein wird, da es damals noch kein Wappen gab ... Am 25. d. M. treffe ich in München ein; werde ich da bereits Einiges sehen können? Die Zeit drängt nämlich, da sie Ende März bereits in Paris aufführen wollen. Darf ich noch bitten, da wir es mit heiklichen Verhältnissen zu thun haben, von diesem Antrage nichts sagen zu wollen. Die Franzosen sind empfindlich u. es könnten Herrn Lamoureux durch Zeitungsnotizen Schwierigkeiten entsehen ...". - Auf der letzten Seite einige Tinten-Wische

Auktionsarchiv: Los-Nr. 2387
Auktion:
Datum:
17.04.2019
Auktionshaus:
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5a
14193 Berlin
Deutschland
info@bassenge.com
+49 30 89380290
+49 30 8918025
Beschreibung:

"Keinen Schwan!" - (Wagner, Cosima) Eigh. Brief m. U. "C. Wagner". 4 S. Gr. 4to. Bayreuth 11.XII.1886. Ebenfalls ausführlich an Joseph Flüggen doch diesmal über die Kostüme für eine "Lohengrin"- Aufführung in Paris, die der berühmte Dirigent Charles Lamoureux (1834-1899) veranstalten möchte. "... Herr Lamoureux hat einige Anfragen an mich bezüglich der Kostüme des Lohengrin gestellt; hierauf schlug ich ihm vor, mich mit der Bitte an Sie zu wenden, einige Skizzen zu entwerfen. In einem heute empfangenen Briefe geht er freundlich darauf ein, bittet aber zuvörderst um die Angabe Ihrer Bedingungen, da seine Unternehmung eine private, unsubventionirte, also recht bescheidene ist. Ich habe ihm geschrieben, daß ich durchaus überzeugt sei, dass Sie den Verhältnissen Rechnung tragen würden, dass ich aber der Ordnung wegen diese, welche noch bescheidener sind als die Bayreuther, Ihnen vorlegen würde. Da dieses hiermit geschehen, erlaube ich mir, Ihnen ... das auszusprechen, was bezüglich Lohengrin's mein Wünsch wäre. Vor allem möchte ich dass er sich durchaus vom Tannhäuser unterschiede. Die Frömmigkeit, die sich in ihm ausspricht, ist eine wesentlich Andere , u. erheischt meines Erachtens eine grosse Strenge u. Einfachheit ... Es ist der Gottesbegriff, die Gottesfurcht, die da herrscht u. den Stempel giebt; während im Tannhäuser die freie Neigung, der Erlöser, u. die durch unseren Glauben an ihn ausgebildete Legende waltet. - Sie verzeihen, dass ich so weit aushole, es geschieht diess aber um das Gefühl, welches die Musik eingegeben hat, auch durch die Tracht fühlbar werden zu lassen, u. jede archeologische Spielerei zu entfernen, wenn wir auch durchaus suchen müssen, das Xte, u. zwar das deutsche Xte Jahrhundert, was mir ungemein schwierig scheint, festzuhalten. Ich habe mir ungefähr Folgendes gedacht: Den König: ungefähr wie er in Frankfurt dargestellt ist, nur ohne Krone (I Akt). Für den II. Akt (dort müsste das zu speziell Kaiserliche vermieden werden) ungefähr wie Heinrich d. 2te XItes Jahrhundert. Lohengrin: In Silberrüstung durchaus frei von der Zeit, u. sich unterscheidend (Man kann annehmen, dass seine Erscheinung den späteren Rüstungen das Muster gegeben hat.) Keinen Schwan , weder auf Helm noch auf Schild, höchstens wäre eine Taube zulässig, aber diese auch lieber nicht. Den hellblauen Mantel nur für den Fall, dass die Gestalt des Darstellers sich nicht gut in der blossen Rüstung ausnähme. Im I. Akt weiss, wie das Bild Seite 98 im Buche von Köhler 'Trachten der Völker '. Auch sie darf man der Zeit entrücken, nur müsste das, was zu speziell dem XII. Jahrhundert angehört, entfernt werden. (Ich weiss nicht, ob das Kostüm vom Jahr 67 für den IIten Akt in München beibehalten worden ist. Dieses war sehr schön; für Lohengrin meine ich, wäre ein langes Gewand blau mit Gold, u. vielleicht ein sehr hellbraun golddurchwirkter Mantel das Beste?) Ortrud: Möchte ich womöglich einen heidnischen Charakter beibehalten wissen. Im I Akt etwa braun u. gelb (Wolle) mit Spangen u. Gurt symbolischen Charakters. Im IIten schwarzer oder hellbrauner Pelz, rother Rock mit Gold durchwoben, goldener Mantel mit Schlangen, ... heidnische Krone. Nun läge mir daran, dass die Sachsen, die Thüringer u. die Brabanter sich in Waffen u. Kleidung unterschieden. Ich habe mir die Sachsen am ähnlichsten dem Könige gedacht; [mit] langen Mänteln, länglichen Schilden, langen Messern u. Speere[n] ... Auch die Banner würde ich zu entwerfen bitten, was gewiss nicht leicht sein wird, da es damals noch kein Wappen gab ... Am 25. d. M. treffe ich in München ein; werde ich da bereits Einiges sehen können? Die Zeit drängt nämlich, da sie Ende März bereits in Paris aufführen wollen. Darf ich noch bitten, da wir es mit heiklichen Verhältnissen zu thun haben, von diesem Antrage nichts sagen zu wollen. Die Franzosen sind empfindlich u. es könnten Herrn Lamoureux durch Zeitungsnotizen Schwierigkeiten entsehen ...". - Auf der letzten Seite einige Tinten-Wische

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Datum:
17.04.2019
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Deutschland
info@bassenge.com
+49 30 89380290
+49 30 8918025
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