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Auktionspreisarchiv

Auktion: Klassische Moderne
wurde versteigert am: 11. Juni 2015
Aktuelle Auktionen Auktionspreisarchiv

Christian Rohlfs

Archiv
Schätzpreis: 70.000 €
ca. 78.492 $
Zuschlagspreis:  n. a.
Los-Nr. 115000517, Aufrufe: 58

Sängerin I
Sängerin I. Um 1921. Tempera auf Leinwand. Vogt 668 (dort unter dem Titel "Vier Menschen"). Rechts unten monogrammiert. Rückseitig auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet "Sängerin I Christian Rohlfs Hagen i./W". 80 x 60 cm (31,4 x 23,6 in). [KD]. Bedeutende Figurenkomposition aus der besten Schaffenszeit des Künstlers. PROVENIENZ: Galerie Abels, Köln. Privatbesitz. Villa Grisebach, Auktion 43, Ausgewählte Werke, 26. Mai 1995, Los 49 (mit Abb.). Privatsammlung Berlin (seit 1995). Am 22. Dezember 1849 wird Christian Rohlfs in Niendorf in Holstein geboren. Während eines zweijährigen Krankenlagers von 1864-66 wird Rohlfs von dem Arzt Dr. Stolle betreut, der die malerische Begabung des Jungen entdeckt und fördert. In dieser Zeit entstehen die ersten Zeichnungen. Auf Anraten und Empfehlung Theodor Storms geht Rohlfs zunächst nach Berlin, dann 1870 an die Kunstakademie in Weimar, um Malerei zu studieren. Ein Beinleiden verschlimmert sich in den kommenden zwei Jahren derart, dass ihm 1873 ein Bein amputiert werden muss. Als Historien- und Genremaler findet Rohlfs die Anerkennung des Großherzogs von Sachsen-Weimar, der ihn jahrelang unterstützt. Seine unabhängige stilistische Entwicklung parallel zur Schule von Barbizon und zum französischen Impressionismus ist ab 1888 zu erkennen. Durch die Vermittlung Henry van de Veldes lernt Rohlfs den Gründer des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus in Hagen/Westfalen kennen. Dieser überzeugt ihn, 1901 nach Hagen überzusiedeln, um eine von ihm geplante Malschule zu leiten - das Vorhaben scheitert jedoch. Während der Sommeraufenthalte in Soest lernt er 1905 Emil Nolde kennen. Der beginnende Expressionismus der "Brücke", dem im Folkwang-Museum frühe Ausstellungen gewidmet sind, entspricht Rohlfs' eigener Tendenz zu expressiver Gestaltung. Prägt nach der Akademiezeit der Impressionismus das Werk von Christian Rohlfs zwanzig Jahre lang, so findet er als Sechzigjähriger zu einem expressiven Spätstil. Bevorzugt verwendet er Tempera auf Leinwand und Papier, daneben entstehen Aquarelle und Druckgrafik. Das strenge Kompositionsschema dieses Werkes in der parallelen Anordnung der drei Hauptakteure erinnert an Heiligenbilder der Renaissance. Doch sicher hatte Christian Rohlfs anderes im Sinn. Ihm ging es in erster Linie um die Farbwirkung innerhalb einer Komposition, die in ihrer etwas schematischen Anordnung der Farbe eine besondere Bedeutung zuordnet. Die Beschränkung auf die drei Grundfarben Rot, Blau und Weiß entspricht der Anordnung der drei die Komposition tragenden Personen. Vielleicht lässt sich ein leicht narrativer Zug in der etwas hervorgehobenen Stellung der Sängerin im roten Kleid zur Linken herauslesen, der jedoch, wie allgemein bei Rohlfs, nicht eindringlicher verfolgt wird. Es ist das Wechselspiel von Farbflächen und Formen in ihrer gegenseitigen Durchdringung, das den besonderen Reiz dieser Kompositon ausmacht. Die bewusst nicht näher bezeichnete Individualität der agierenden Personen eröffnet Spielräume für die eigene Interpretation. Zahlreiche Ehrungen belegen die Anerkennung, die seine späten Arbeiten finden. 1929 wird zum 80. Geburtstag des Künstlers das Christian-Rohlfs-Museum in Hagen gegründet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Rohlfs 1937 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. 412 seiner Bilder entfernt man als "entartet" aus deutschen Museen, sein Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste folgt. Ein Jahr später, am 8. Januar 1938 stirbt Christian Rohlfs in seinem Hagener Atelier. In die Kunstgeschichte geht er als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus ein.

Informationen zur Auktion
Auktionshaus: Ketterer Kunst GmbH & Co. KG
Titel: Klassische Moderne
Auktionsdatum: 11.06.2015 - 13.06.2015
Adresse: Ketterer Kunst GmbH & Co. KG
Joseph-Wild-Str. 18
81829 München
Deutschland
[email protected] · +49 (0)89 552440 · +49 (0)89 55244166